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"KAHLES LOCH": Rettung geht weiter

Schaufel für Schaufel arbeitet sich der Bagger vor, trägt Erdreich am Rheinufer ab, das einige Meter weiter am Rand des sogenannten „Kahlen Lochs“ in Kaltenengers zu einem Wall aufgeschüttet wird. Nach knapp achtmonatiger Zwangspause nimmt die geplante Rettung des wichtigen Lebensraums für Fische, Wasservögel sowie weiteren Tiere und bedrohte Pflanzen wieder Fahrt auf. Es geht darum einer möglichen Verlandung des Kahlen Lochs entgegenzuwirken.

Eigentlich hatte die Baumaßnahme, auf die die Ortsgemeinde Kaltenengers lange Zeit hingedrängt hatte und die vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Bingen durchgeführt wird, bereits Mitte November angefangen. „Allerdings war der Flusspegel damals angestiegen, weshalb die Arbeiten wieder eingestellt werden mussten“, weiß Jürgen Karbach, Ortsbürgermeister von Kaltenengers zu berichten. „Die jetzige Situation ist hingegen perfekt.“ In der Tat ermöglicht es die stabile Niedrigwasserlage, dass die Arbeiten problemlos ausgeführt werden können.

Um eine häufigere und stärkere Durchströmung der Wasserfläche im Kahlen Loch zu erzielen, wird eine unterstromige Anbindung an den Rhein geschaffen. Bislang konnte das Flusswasser nämlich lediglich über einen Zufluss knapp 180 Meter weiter rheinaufwärts, in etwa auf Höhe der Kaltenengerser Fährstraße, ins Biotop gelangen. Bereits vorab war die Maßnahme von der Bundesanstalt für Gewässerkunde auf ihre Auswirkungen hin untersucht und mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord abgestimmt. Ein entsprechendes Gutachten liegt seit Frühjahr 2017 vor. Um so erstaunter zeigte sich Ortschef Karbach, dass die Maßnahmen mit den ersten Arbeiten nur knapp sieben Monate danach umgesetzt wurden. „Das hat man bei Projekten dieser Dimension auch schon mal anders erlebt“, sagt Karbach augenzwinkernd und lobt das WSA, das zugleich die Kosten trägt.

Insgesamt werden bei der Maßnahme, die laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bingen mit relativ geringem Aufwand einen Beitrag zur Verbesserung der Gewässerstruktur leistet, rund 1200 Kubikmeter Erdreich gebaggert und in unmittelbarer Nähe wieder eingebaut. Nach Abschluss der Baggerarbeiten, die nach Angaben von Martin Jacob vom WSA noch gut eine Woche in Anspruch nehmen werden, wird die umgestaltete Fläche sich selbst überlassen. Es werden zwar noch Weidenstecklinge gesetzt, aber im Großen und Ganzen soll alles wieder von alleine zuwachsen. Derzeit geht Jacob von einem Abschluss der Arbeiten in der Mitte des kommenden Monats aus. Unklar ist allerdings, ob die besagten Weidenstecklinge aufgrund der vorherrschenden Trockenheit wie geplant bis dahin gepflanzt werden können. Eventuell, so sagt Jacob, müsste dies zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Die Anregung zu der Maßnahme kam aus der Ortsgemeinde Kaltenengers, die darin genauso wie die Verbandsgemeinde Weißenthurm ein wichtiges Projekt zum Schutz beziehungsweise zur Verbesserung der Gewässer in der eigenen Gemarkung sieht. „Das ,Kahle Loch' ist eine Naturgegebenheit mit einer hohen strukturellen Vielfalt“, sagt Ortsbürgermeister Jürgen Karbach und betont, dass es sich um einen Lebensraum handelt, der „unbedingt erhalten werden muss“.

 

Copyright: Rhein-Zeitung, Foto Damian Morcinek

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